Demenzkonzept

Die Bewahrung der Selbstständigkeit, die Erhaltung der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten und die Erhaltung der individuellen Lebensqualität gehören zu den wesentlichen Merkmalen der eigenen Verfügungsgewalt. Zu entscheiden, wie man leben möchte und wie man individuelle Schwerpunkte im Alltag setzt, sind der Ausdruck unserer Individualität und unseres Lebensgefühls.

"Das Zentrum der häuslichen Versorgung von Pflegebedüftigen bildet in Deutschland die Familie." Schneekloth, U. (2006)

Um Bedingungen zu schaffen, dass die Häuslichkeit als Lebensort für Menschen, die von Demenz betroffen sind, bewahrt werden kann, sind bestimmte Voraussetzungen zu schaffen, die zur Bildung eines privaten Netzwerkes führen.

  • Selbsthilfepotentiale der Betroffenen fördern
  • Stärkung der Einsicht „des sich Helfen lassens“
  • Unterstützung für Personen, die in Sorgeverpflichtung stehen (Angehörige)
  • Abstimmung und Inanspruchnahme der vorhandenen Leistungsangebote durch professionelle Dienste

© Constantin Meyer

Wie sollte ein Konzept gestaltet sein, das diese grundlegenden Bedingungen berücksichtigt?

Für uns war die Verbindung von Wissenschaft und Praxis einer der wesentlichen Aspekte, die bei der Entwicklung des Konzeptes zu beachten waren. Das Verständnis, dass "Demenz" kein statischer Zustand ist und sich nicht nur in eine Richtung entwickelt (unidirektional), gibt uns die Möglichkeit, viele individuelle Lösungsansätze mit betroffenen Personen zu entwickeln und ihren Alltag positiver zu gestalten. Die so entstehenden Ressourcen sind besonders dann wertvoll, wenn es gilt, kritische Phasen im Krankheitsverlauf zu bewältigen.

Zielvorgaben für die Konzeptentwicklung
  • Förderung von Potenzialen demenzbetroffener Menschen in Privathaushalten
  • Stärkung der Lebensqualität von Familien, die von Demenz betroffen sind
  • Bewahrung individueller Fähigkeiten und Verbesserung der kommunikativen und verhaltensorientierten Bewältigungsstrategien
  • Förderung des Wissens im Umgang mit den Auswirkungen demenzieller und anderer neurodegenerativer Erkrankungen
Grundlagen unseres Konzeptes
  • Die Erkenntnis, dass sich das menschliche Gehirn bis ins hohe Alter entwickeln kann (strukturelle und funktionale Plastizität).
  • Die praktische Erfahrung, dass der individuelle Umgang mit den Auswirkungen demenzieller Erkrankungen einen hohen Einfluss auf die Lebensqualität aller betroffenen Personen nimmt.
  • Das Wissen hinsichtlich der Gestaltung des Lebensraums betroffener Personen (Enriched Environment).
  • Praktische Anwendung chronobiologischer Erkenntnisse bei der Planung und Entwicklung des Lichtkonzeptes.
Lichtkonzept

Biodynamisches Licht

Licht ist einer unserer wichtigsten Zeitgeber. Es steuert unsere innere Uhren und hat einen großen Einfluss auf die menschlichen Stoffwechselvorgänge. Pflegebedürftige Menschen und insbesondere Menschen, die von Demenz betroffen sind, halten sich den überwiegenden Teil des Tages in Räumen auf. Sie sind oft schlechten Lichtverhältnissen ausgesetzt. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit, Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus und eine hohe Sturzgefahr. Die chronobiologische Forschung hat jedoch gezeigt, dass es hervorragende Möglichkeiten gibt, mit "gutem Licht" auf diese Situationen Einfluss zunehmen.

Biologisch wirksames Licht in Verbindung mit ausgefeilten Akustikkonzepten, positiv wirkenden Farb- und Raumkonzepten verbessern die Lebensqualität und das Fähigkeitspotenzial aller Personen, die sich in Einrichtungen mit derartigen Voraussetzungen aufhalten. Vgl.: Breuer, P. (2009); Heeg, S., Striffler, Ch. (2010)

Wir haben in unseren Pflegetherapeutischen Zentren im vollen Umfang ein biologisch wirksames Lichtkonzept realisiert, von dem unsere Klienten und Mitarbeiter profitieren. Wir gehören damit zu den ersten Pflegeeinrichtungen in Deutschland, die ein biodynamsiches Lichtkonzept als zentralen Baustein des Demenzkonzpetes realisiert haben. Ein Besuch in unseren Einrichtungen wird Ihnen einen Eindruck von der Wirkung des Lichtes veschaffen.

Bitte lesen Sie hierzu die weiteren Informationen auf unseren Seiten zum "Biodynamischen Lichtkonzept. Hier finden Sie weitere Hinweise zu aktuellen Veröffentlcihungen über unser Konzept in Fachzeitschriften und vertiefte Informationen zum VTL System (Visual Timing Light).

Neubiologische Erkenntnisse

Das geistige Vitalität und positive Lebenseinstellungen einen großen Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen nehmen, ist seit langem bekannt. Menschen, die bis ins hohe Lebensalter aktiv sind und überzeugt sind, dass sie ihre jeweilige Lebenssituation beeinflussen können (ob mit oder ohne fremde Hilfe), verfügen über größere Widerstandskräfte, wenn sie pflegebedürftig werden. Diese Fähigkeit wird auch als Resilienz bezeichnet.

Die neurobiologischen Voraussetzungen hierfür sind seit vielen Jahren Gegenstand der Hirnforschung. Die Grundlage bildet die Erkenntnis, dass sich unser Gehirn bis ins hohe Lebensalter strukurell und funktionell entwickeln kann (Taubert, 2011). Dieser Vorgang wird als Neuroplastizität oder Plastizität des Gehirn bezeichnet.

Jüngste Forschungsergebnisse und die Praxis der Neurorehabilitation zeigen, dass Menschen mit schwersten neurologischen Störungen (z.B. nach einem Schädelhirntrauma) Fähigkeiten wieder erlernen können. In einigen Forschungsprojekten konnte gezeigt werden, dass dies für Menschen mit einer beginnenden oder mittelschweren Demenz zutrifft. Im Wesentlichen wird dies durch die Schaffung eines impulsgebenden Umfeldes (Enriched Environment) und durch die Stärkung der motorisch-kognitiven Kompetenzen bewirkt (Fischer 2016; Johansen-Berg, Duzel 2016; Schwenk, u.a. 2010).

Anwendung in der Praxis

Dual-Tasking zur Steigerung motorisch-kognitiver Leistungsfähigkeit

In unseren Einrichtungen haben wir die hier kurz vorgestellten Erkenntnisse konsequent umgesetzt. Um die motorisch-kognitiven Fähigkeiten zu fördern, werden individuelle Programme erstellt, in denen Mehrfachhandlungen trainiert werden (Dual-Tasking). Menschen, die von Demenz betroffen sind, verlieren realtiv schnell die Fähigkeit im Alltag Mehrfachhandlungen auszuführen. Dies führt oft zu Frustration, Stimmungsschwankungen und sehr häufig zu Stürzen.

Das Einrichtungskonzept als impulsgebendes Umfeld

Der Alltag vieler pflegebedürftiger Menschen ist oft recht eintönig. Es fehlen die wirklichen Hightlights des Lebens. Besonders trifft dies für diejenigen zu, die als Folge eines kognitiven und motorischen Fähigkeitsverlustes selber keine aktiven Impulse in ihrem Lebens setzen können. Sie sind darauf angewiesen, dass andere Personen oder die Institutionen, in denen sie sich vorwiegend aufhalten, die Bedeutung des "Enriched Environments" verstehen.

Wir haben aus diesem Grunde eine Vielzahl von Farbimpulsen gesetzt, die Reduktion einer störenden Akustik geschaffen und ein Raumkonzept entwickelt, dass sehr viel Bewegungsfreiheit ermöglicht.

Überzeugen Sie sich von der Umsetzung unserer Konzepte und von der positiven Wirkung auf Menschen, die von Demenz betroffen sind. Besuchen Sie uns in Altentreptow oder Neubrandenburg.

Zur Anregung des Duftempfindes stehen den Klienten in unseren Einrichtungen Duftkalender zur Verfügung. Hier in der Edition 2017 "Aromawelten der Teesorten". Produktion: Straub Druck + Medien AG, Schramberg.

© Marina Shanti

© Marina Shanti

© ch_ch

Literatur

Breuer, P. (2009): Visuelle Kommunikation für Menschen mit Demenz. Bern, Hans Huber Verlag.

Fischer, A. (2016): Environmental enrichment as a method to improve cognitive function. What can we learn from animal models? NeuroImage, 131, S. 42–47.

Geschwind, Y. J.; Bridenbaugh, S. A.; Kressig, R. W. (2010). Motorisch-kognitives Dual-Tasking. Physioactive (5).

Heeg, S.; Striffler, C. (2010): Lichtgestaltung in Pflegesettings für Menschen mit Demenz. Stuttgart, dess-orientiert (1), 7-16.

Johansen-Berg, H.; Duzel, E. (2016): Neuroplasticity: Effects of Physical and Cognitive activity on brain structure and function. NeuroImage, 131, S. 1–3.

Schaller, H.-J.; Wernz, P. (2015). Koordinationstraining für Senioren. Aachen: Meyer & Meyer.

Schneekloth, U. (2006): Entwicklungstrends und Perspektiven in der häuslichen Pflege. Z Gerontol Geriat, 39, S. 405-412.

Schwenk, M. (2011): Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms zur Verbesserung von motorischen Leistungen und Dual-TaskLeistungen bei geriatrischen Patienten mit leichter bis mittelschwerer demenzieller Erkrankung – eine randomisierte kontrollierte Studie. Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften. Heidelberg: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Taubert, M. (2011): Strukturelle Neuroplastizität und motorisches Lernen. Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge (LSB), 52 (1), 153-159.

Zieschang, T.; Hauer, K.; Schwenk, M. (2012): Körperliches Training bei Menschen mit Demenz. Deutsche Medizinische Wochenschrift, 137 (31/32), 1552 - 1555.

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